Die Bocholter Aa und ihr Einzugsgebiet

Die Bocholter Aa ist ein sandgeprägter Tieflandfluss und entsteht in Velen aus dem Zusammenfluss des Thesingbachs und des Schwarzen Vennbaches. Sie fließt insgesamt auf einer Länge von rd. 50 km über Velen, Borken, Rhede, Bocholt und durch die Gemeinde Isselburg bis zur niederländischen Grenze, hinter der sie nach wenigen Kilometern in die Issel mündet.

Das Einzugsgebiet innerhalb Deutschlands beträgt rd. 429 km² und ist weitgehend geprägt durch Acker- und Weideflächen (ca. 78%) sowie Waldflächen (15%). Der Anteil bebauter Fläche liegt bei ca. 6,8 %. Naturräumlich ist es sowohl dem niederrheinischen Tiefland sowie der westfälischen Bucht zuzuordnen. Es umfasst insgesamt 9 Kommunen mit ca. 208.000 Einwohnern.

Das Relief ist vergleichsweise flach. Eine ausgeprägtere Talform ist lediglich oberhalb von Borken zu erkennen. Die Überschwemmungsflächen sind entsprechend großflächig.

Die Bocholter Aa ist auf gesamter Länge im Querprofil trapezförmig ausgebaut, durch Steinschüttungen gesichert und begradigt. Der Gewässerverlauf ist gestreckt und weist keine natürlichen Mäanderformen auf.

Der mittlere Abfluss (MQ) beträgt am Pegel Rhedebrügge ca. 2,7 m³/s (2.700 l/s). Bis zur Grenze zu den Niederländen steigt dieser auf rd. 5,5 m³/s an.

Der Hochwasserabfluss bei einem hundertjährlichen Hochwasserereignis (HQ100) beträgt in Rhedebrügge ca. 62 m³/s und am Gebietsausgang ca. 98,6 m³/s.

Das Pegelwesen und wie funktioniert es?

Wasserstandsmessungen an oberirdischen Gewässern erfolgen durch Pegelmesssysteme. Diese sind mit unterschiedlichen Techniken ausgestattet und können zum Beispiel mit Hilfe von Schwimmern, Schall- oder Radarsensorik den Wasserstand erfassen. Die Stationierung am Gewässer sollte so erfolgen, dass sowohl bei Hoch-, als auch bei Niedrigwasser Messungen möglich sind. Im Pegelhaus oder in der zusätzlich verbauten Sendeeinheit ist die für die Datenübertragung notwendige Technik untergebracht.

In Nordrhein-Westfalen sind rund 500 Pegel installiert, deren Messungen die Grundlage für die Planung und Steuerung wasserwirtschaftlicher Systeme darstellen. Unter dem Begriff Pegelwesen versteht man neben der reinen Wasserstandsmessung auch Messungen zur Bestimmung des Wasserabflusses in Gewässern.

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW, die Wasserverbände und weitere Institutionen betreiben Pegel an oberirdischen Gewässern. Dabei sind zahlreiche Pegel mit technischen Geräten zur Datenfernübertragung (DFÜ) ausgestattet, die es ermöglichen, Wasserstände der Pegel direkt an die Messnetzzentrale zu übermitteln. Es werden für die mit DFÜ ausgestatteten Pegel Wasserstandsdaten eines Tages, einer Woche, eines Monates und eines Kalenderjahres gesammelt. Diese werden in einem Diagramm oder einer Tabelle dargestellt (LANUV). Die nachfolgende Abbildung zeigt eine exemplarische Darstellung des Wasserstandes des Pegels Rhedebruegge der Bocholter Aa von August 2020 bis August 2021. Für eine Information der Öffentlichkeit sind an allen Hochwassermeldepegeln bis zu drei „Informations-Wasserstände“ festgelegt. Der Pegelstand Rhedebruegge zeigt die Grenze zur Informationsstufe 1 (Gelbe Linie).

Grundlegend gelten 3 Informationsstufen, die den nachfolgenden Kriterien entsprechen:

Informationsstufe 1:
Gewässer kann ggfs. ausufern, wobei land- und forstwirtschaftliche Flächen überflutet werden können. Mit leichten Verkehrsbehinderungen auf Hauptverkehrs- und Gemeindestraßen muss gerechnet werden.

Informationsstufe 2:
Es besteht Gefahr der Überflutung einzelner bebauter Grundstücke oder Keller. Sperrungen der überörtlichen Verkehrsverbindungen oder ein vereinzelter Einsatz der Wasser- und Dammwehr sind möglich.

Informationsstufe 3:
Es besteht die Gefahr von Überflutungen im größeren Umfang bebauter Gebiete. Ein Einsatz der Wasser- und Dammwehr in großem Umfang sind möglich.

3 „Informations-Wasserstände“ (Quelle: LANUV NRW)

Verschiedene Ausführungsformen von Pegeln und Messeinrichtungen:

Der Lattenpegel

Die Basis jeder Messanlage ist ein Lattenpegel. Dabei handelt es sich um einen Meterstab, der am Ufer befestigt ist. Der Nullpunkt liegt im Normalfall unter der Pegelsohle. An den Markierungen kann abgelesen werden, wie hoch der Wasserstand aktuell ist.

Der Schwimmerpegel

Ein Schwimmerpegel ermöglicht eine kontinuierliche Aufzeichnung des Wasserstandes. Die Messung erfolgt  mittels eines Schwimmers über das Prinzip der kommunizierenden Röhre (s. Abbildung). Dabei stellt sich im Schwimmerschacht der gleiche Wasserstand wie im Gewässer ein. Die Aufzeichnung der Daten erfolgt mittels Winkelkodierer, der die Wasserstandsschwankungen in Signale umwandelt und anschließend auf einem Datensammler speichert. Die Weiterleitung erfolgt dann durch Datenfernübertragung.

Schwimmerpegel (Quelle: Bayrisches Landesamt für Umwelt)

Der Druckpegel

Ein Druckpegel bietet den großen Vorteil, dass der Standort des Gerätes bis zu 200 m vom Gewässer entfernt sein kann. Die Messung erfolgt über das Einperlverfahren, bei dem über eine Kunststoffleitung Druckluft in das Wasser eingeperlt wird. Der erforderliche Druck entspricht dabei dem Wassersdruck über der Einperlöffnung. Ändert sich nun der Wasserspiegel, so verändert sich auch der Druck. Diese Veränderung wird mechanisch auf eine Schreibfeder bzw. einen Winkelkodierer übertragen. Bei der Drucksonde erfolgt die Wasserstandsmessung auf ähnliche Weise. Sie erfolgt mittels einer Messzelle, die den hydrostatischen Druck der Wassersäule über einer Druckmembran misst. Dieser wird in ein elektronisches Signal umgeformt und auf einem Datensammler gespeichert.

Druckpegel (Quelle: Bayrisches Landesamt für Umwelt)

Das Wasserstandsradar – die Radarmessung

Eine Wasserstandsmessung kann ebenso mittels Radartechnik erfolgen. Der Radarkopf sendet Mikrowellenimpulse aus, die nach Reflexion auf der Wasseroberfläche wieder empfangen werden. Die Laufzeit der Impulse entspricht dabei der Entfernung zur Wasseroberfläche.

Die Voraussetzung für ein vorausschauendes und planvolles Handeln im Falle eines Hochwassers ist die Informationsvorsorge, womit im Wesentlichen die Hochwasservorher-sage gemeint ist. Je früher dabei die Warnung vor kritischen Hochwasserständen in hochwassergefährdeten Gebieten kommt, desto schneller kann die Vorsorge eingeleitet werden. Die Gefährdung durch ein Hochwasser, insbesondere für Menschen und Tiere, sowie die davon verursachten Schäden können so deutlich verringert werden.

Im Hochwasserfall bedeutet die Informationsvorsorge in erster Linie die Bereitstellung von Informationen über die aktuelle Hochwassersituation/-lage. Konkret sollen dabei für die Krisenleitstellen, die Katastropheneinsatzkräfte und die Bürger folgende Fragen beantwortet werden:

▪ Wo tritt eine Überschwemmung auf ?

▪ Wann tritt diese Überschwemmung auf ?

▪ Wie viel Zeit bleibt für die Umsetzung von Maßnahmen/Evakuierung/Schutz von Gebäuden, etc. ?

Zur Beantwortung dieser Fragen wird ein Hochwasserwarnsystem benötigt.

Die Kommunen an der Bocholter Aa und der Kreis Borken greifen derzeit auf die Daten des Landespegels Rhedebrügge zu, der auch für Bürger über die Internetseite des LANUV NRW einsehbar ist. Hier sind Info- und Warnwerte für die Bocholter Aa hinterlegt.

Ein ganzheitliches Hochwasserwarnsystem existiert noch nicht.

Um eine bessere Einschätzung der Wasserstände vornehmen und Hochwasserereignisse über die gesamte Bocholter Aa besser einschätzen zu können, ist es erforderlich, mehrere neue Pegelsysteme entlang der Bocholter Aa und seiner Zuflüsse zu installieren.

Einige Städte und Gemeinden haben bereits weitere Pegelsysteme installiert. Dabei ist es entscheidend, dass die Systeme bei extremen Hochwässern einwandfrei funktionieren und möglichst wartungsarm sind. Weiterhin empfiehlt es sich ein einheitliches System für das gesamte Gewässer zu verwenden (gleicher Hersteller, gleiche Übertragungswege, gleiche Inhalte, etc.).

Ziel dieses Projektes ist es weitere Pegelsysteme im Bereich der Bocholter Aa und auch deren Nebengewässern zu installieren und alle Messsysteme an der Bocholter Aa in einer Plattform zusammenzuführen. Diese Plattform wird dann auch den Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung gestellt, um jederzeit die Wasserstände an der Bocholter Aa digital abrufen zu können.

Quelle:

LANUV: https://www.lanuv.nrw.de/umwelt/wasser/wasserkreislauf/wasserstaende/

LANUV: https://www.lanuv.nrw.de/umwelt/wasser/wasserkreislauf/wasserstaende/pegeldaten-online

Bayrisches Landesamt für Umwelt: https://www.lfu.bayern.de/wasser/wasserstand_abfluss/wasserstandsmessung/index.htm

Die Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL)

Die EG-Wasserrahmenrichtlinie hat sich zum Ziel gesetzt  die Oberflächengewässer und das Grundwasser in einen guten Zustand zu versetzen. Dies soll hauptsächlich durch Maßnahmen in den Bereichen Gewässerstruktur, Landwirtschaft und Siedlungswasserwirtschaft erreicht werden.

Die Bilderfolge zeigt die Stauanlage Rhede-Krechting in früherem Zustand und in heutigem Zustand mit Fischpass. Der Fischpass soll zur Durchgängigkeit der Bocholter Aa beitragen.

Die EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL 2000/60/EG) schafft gemeinsam mit dem novellierten Wasserhaushaltsgesetz (WHG) und dem Landeswassergesetz (LWG NRW) erstmals einen einheitlichen und umfassenden Ordnungsrahmen zum Gewässerschutz in Europa.

Die Gewässer werden erstmals von der Quelle bis zur Mündung in sog. Oberflächenwasserkörpern betrachtet, untersucht und bewirtschaftet. Hierzu ist eine grenzüberschreitende Koordination und Kooperation unter Beteiligung der Öffentlichkeit notwendig.

Links zu weiterführenden Informationen

Weitere ausführliche Informationen zur Umsetzung der WRRL finden sich auf folgenden Internetseiten des Kreises Borken und des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz:

  • www.kreis-borken.de/wrrl
  • www.flussgebiete.nrw.de Hier finden Sie Dokumente und Hintergrundinformationen zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in NRW. Hinweis: Die Kooperationen im Kreis Borken sind Bestandteil des Flussgebietes Ijssel.
  • www.elwasweb.nrw.de Wichtige wasserwirtschaftliche Grundlagendaten sind hier in einem geographischen Informationssystem zusammengefasst. Das elektronische wasserwirtschaftliche Verbundsystem enthält u.a. Daten zum Gewässernetz und Ergebnisse der biologischen und chemischen Bewertung der Oberflächengewässer und des Grundwassers.

Die Gewässerunterhaltung der Bocholter Aa wird von der kreiseigenen Unterhaltungskolonne („Aa-Kolonne“) durchgeführt. Diese Aufgabe wurde von den Anliegerkommunen an den Kreis übertragen. Für alle anderen Fließgewässer fand eine Aufgabenübertragung von Kommune zu Wasser- und Bodenverband statt. Die Verbände werden in ihren Aufgaben vom Kreis Borken betreut und deren Geschäfte überwacht.

Die Gewässerunterhaltung und Pflege dient der Sicherung eines schadlosen Wasserabflusses und der Verbesserung der Gewässerökologie. Dies geschieht u.a. durch Böschungsmahd, Beseitigung von Unrat, Einbau von Totholz, aber auch durch die Bekämpfung von Bisam und Nutria.

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Homepage des Kreis Borken.

Um die Bocholter Aa und ihre Besonderheiten besser kennenlernen zu können, wurde eine Tourenkarte entwickelt. Diese kann Sie dabei unterstützen, Rad- und Fußwegetouren entlang der Bocholter Aa zu planen und versorgt Sie mit den jeweiligen Informationen zum Fluss sowie zum Hochwasserschutz.

  • Aa-Radweg: Entlang des 58 km langen Aa-Radwegs können Sie durch die münsterländische Parklandschaft von Velen über Borken bis nach Isselburg fahren und die malerische Flusslandschaft genießen.
  • Stauwerke: Besuchen Sie die Stauwerke entlang der Bocholter Aa. Insgesamt sind an der Bocholter Aa 13 Stauanlagen in Betrieb. Mit den Stauanlagen wird der Fluss z. B. im Sommer eingestaut, um den Wasserstand der Gewässer zu erhöhen und die Nutzpflanzen auf den umliegenden landwirtschaftlichen Flächen mit Wasser zu versorgen. Die Stauwerke dienen auch dazu, den Abfluss im Gewässer zu regulieren oder Strom zu erzeugen, wie beispielsweise an der Wasserkraftschnecke in Rhede-Krechting.
  • Fischaufstiegsanlagen: Um die Bocholter Aa insbesondere für Fische wieder durchgängig zu gestalten, wurden sog. Fischaufstiegsanlagen entlang des Flusses gebaut. Fischaufstiegsanlagen können als technische Bauwerke oder in naturnaher Bauweise erstellt werden. Ein Beispiel für ein technisches Bauwerk ist die Fischaufstiegsanlage in Velen-Ramsdorf. Aufgrund enger Platzverhältnisse und der zu erhaltenden Wehranlage musste hier auf ein technisches Bauwerk zurückgegriffen werden. Eine naturnahe Anlage ist z. B. die Sohlengleite mit einzelnen Becken aus Naturstein am Pröbstingsee in Borken. Die Durchwanderbarkeit des Flusses ist eine wesentliche Voraussetzung für eine intakte Fischpopulation und damit für den guten Zustand des Fließgewässers. Fischaufstiegsanlagen ermöglichen den Fischen Wanderungen zu ihren Laich-, Aufzucht- und Nahrungsgebieten.
  • Historische Daten: Um die Entwicklungen entlang der Bocholter Aa nachvollziehen zu können und einen Einblick in vergangene Zeiten zu ermöglichen, werden hier historische Daten aufgezeigt, die den Bau von Brücken, Schleusen, Stauwerken und Pumpwerken ebenso beschreiben, wie bedeutsame Hochwasserereignisse.
  • Maßnahmen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL): Die WRRL schafft unter anderem einen Ordnungsrahmen für den Schutz der Oberflächengewässer und des Grundwassers. Vor allem der Schutz und die Verbesserung des Zustands aquatischer Ökosysteme steht im Vordergrund. Die Tourenkarte zeigt auf, welche Maßnahmen der WRRL im Kreis Borken bereits in die Umsetzung gegangen sind. Wir laden Sie ein, diese im Rahmen einer Tour selbst vor Ort zu erkunden!